‘Tiefes Rot‘ von Petra Stump-Linshalm in CityProms: Die Bassklarinette erzählt

Friesland, die Provinz im Nordwesten Hollands ist heiß. Kaum hat das Oranjewoud Festival aufgehört folgt schon ein zweites Festival für klassische Musik: CityProms. Vom 23. bis 25. Juni ist die Hauptstadt Leeuwarden Zentrum vieler Veranstaltungen. Diese sollen sowohl Liebhaber klassischer Musik bezaubern als auch diejenigen die damit unbekannt sind. Die Organisation will zeigen dass Musik ‘nicht nur eine ästhetische, sondern auch eine soziale Funktion hat’.

Niedrige Röhren

So gibt es Workshops über Musik und Demenz und Interaktive Konzerte für Menschen mit Behinderungen. Man kann selbst Instrumente bauen aus Abfälle, und auch Schüler werden nicht vergessen. In einem frei zugänglichen Workshop am Samstag 24. Juni behandeln die niederländische Bassklarinettistin Fie Schouten und der italienische Baritonsaxophonist Giuseppe Doronzo Probleme denen man begegnen kann beim Spielen auf ‘lage rieten’ (tiefe Rohrblätter).

Später am Samstag klingt im Gerechtshof  (Gerichtshof) die Uraufführung von Tiefes Rot, ein Werk für Bassklarinette und Klarinettenchor. Es wurde speziell für Schouten und den Klarinettenchor Capriccio komponiert von Schoutens österreichische Kollegin Petra Stump-Linshalm.

Schouten freut sich sehr über dieses neue Werk: ‘Petra ist eine gute Freundin und hoch angesehene Kollegin. Sie war eine meiner Gäste beim Bass Clarinet Festival 2016, wo sie zusammentraf mit dem Capriccio Clarinet Orchestra von John de Beer. Tiefes Rot ist ein besonderes Stück mit – selbstverständlich – eine brillante Rolle für die Bassklarinette.

Wind und Blumenwiese

Selbst schreibt Petra Stump-Linshalm zu Tiefes Rot:

“Am Anfang nur Luft, es erinnert mich ein bisschen an das Rauschen im Ohr oder Körper wenn man ganz ruhig und die Umgebung ganz leise ist, oder wenn man im Wald ist und der Wind geht nur sehr zaghaft. Quasi aus dieser Stille taucht dann friedlich die Bassklarinette auf, stellt sich vor und entwickelt etwas Klang mit dem Chor und lädt zu einem Spaziergang ein.

Nach der Einleitung kommen Vierteltoncluster im Chor – das soll auch alles sehr leise und zart sein, wie eine Blumenwiese im Sommer – es ist eine Klangfläche, aber wenn man genau hinhört, kann man auch ganz unterschiedliche Höreindrücke wahrnehmen – wie eine Wiese, die im Großen und Ganzen nur grün erscheint, aber doch ganz verschiedene bunte Pflanzen in sich birgt. Die Bassklarinette „freut” sich über diese Vielfalt und zeigt das in ihrer Linie in vollem Umfang, von tief bis hoch, virtuos aber auch klanglich ausbreitend.

Dann kommt ein kleiner wilder Bach und fließt allmählich in einen größeren Fluss. Hier darf nun wirklich alles virtuos und klangvoll sein. Sehr laut, aber behält doch immer einen warmen Klang. Zum Ende fließt der Fluss in einen See und wird wieder ein ganz ruhiges, klares Wasser. Die Stille und der Frieden vom Anfang kommt zurück. Die Bassklarinette ist so etwas wie ein Erzähler der Geschichte – der Chor ist das Bild dazu…”

Das Festival will so viel wie möglich Menschen miteinbeziehen. Darum ist (fast) alles frei zugänglich, unter dem Motto von Friedrich Nietzsche: “Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.”

CityProms, Leeuwarden, 23-25 Juni, Infos und Karten: www.cityproms.nl

 

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